Gesellschaft [2005-11-01 00:00] ID: 01195  
Wir gratulieren!
Der Münchner Konzertsänger Franz Kelch feiert am 1.11.2005 seinen 90. Geburtstag.
Franz Kelch - Bass-Bariton aus München-Pasing
Franz Kelch
Der in Bayreuth geborene Künstler durfte schon im Alter von 10 Jahren eine Parsifal-Aufführung im Festspielhaus besuchen. Diese folgte - unter Cosima Wagners Obhut - den Vorgaben der Wagner'schen Urinszenierung. Franz Kelch erinnert sich an dieses eindrucksvolle musikalische Früherlebnis wie heute.

1933/34 sang er als Jugendlicher bei den "Meistersinger"-Aufführungen im Chor auf der Festwiese. Aus nächster Nähe erlebte er die berühmtesten Sänger der Zeit, von dort stammten die ersten Impulse Sänger zu werden.
Als Heranwachsender verdankte er ganz wesentlich seine musikalische Förderung einem hervorragenden Instrumentalunterricht (Geige) an seiner Schule.
An ein sofortiges Gesangsstudium war nicht zu denken. Erst nach 2 Jahren obligatorischem Wehrdienst konnte er bei Henriette Klink in Nürnberg mit der Gesangsausbildung beginnen, parallel zum Militärdienst und finanziert mit Hilfe des schmalen Soldes.
Der Ausbruch des Krieges unterbrach die so hoffnungsvoll begonnene Ausbildung und zerstörte alle Aussichten und Pläne für viele Jahre.
Nach dem Krieg kam Franz Kelch 2 Jahre in Gefangenschaft. Auch dort arbeitete er zielstrebig an der Vervollkommnung seiner Stimme und gab Liederabende mit anspruchsvollen Programmen vor den mitgefangenen POWs.
Nach der Heimkehr, in desolater Zeit (Währungsreform), war es ein Wagnis, am Berufsziel als freischaffender Lied- und Oratoriensänger festzuhalten, zumal Kelch während des Krieges geheiratet hatte und sofort den Unterhalt für seine Familie mit zwei Kindern beibringen musste. Unter anderem war er zuständig für den Stimmbildungsunterricht am Priesterseminar in Freising und am Jesuitenkolleg in Pullach.

Der Bayerische Rundfunk setzte ihn häufig bei Sendungen alter Musik und bei neuen Werken Münchner Komponisten (Haas – Zilcher – Rossmann – Suder – Jacobi – Kammeier – Altmann) ein.

Schon 1948 konzertierte er bei den Münchner Philharmonikern unter Rudolf Lamy im deutschen Requiem von J. Brahms, wenig später in der h–Moll-Messe von J. S. Bach unter Michael Schneider mit dem Heinrich-Schütz–Kreis und bei den Bamberger Symphonikern in der IX. Symphonie Beethovens unter Josef Keilberth.

1951 kam der junge Karl Richter nach München. Sogleich ergab sich eine fruchtbare Zusammenarbeit in den folgenden Jahren, wobei Kelch die Basspartien aller großen Bachwerke und zahlreicher Kantaten sang.

Der Thomaskantor Günther Ramin holte ihn für seine beiden Reisen durch Westeuropa und für die Archivproduktion der Johannes-Passion nach Leipzig.

Nach kurzer Anlaufzeit hatte Franz Kelch mit seiner umfangreichen Bass-Baritonstimme, seiner die Tiefe der Werke auslotenden Gestaltungsgabe und dem breitgefächerten Repertoire von Monteverdi bis zur Moderne im ganzen Bundesgebiet Fuß gefasst. Besondere Wertschätzung erfuhr er stets als Christus-Sänger der Passionen.
Der Chefkritiker der "SZ" K.H. Ruppel schrieb anlässlich der Matthäus-Passion unter Karl Richter, die zum Gedenken des Todes von Günther Ramin aufgeführt wurde:

“Die Gestaltung der Christus-Partie durch Franz Kelch gehört in der geistigen Durchdringung, der Wärme des Ausdrucks und der kultivierten Führung der edlen Baßstimme zum Schönsten, was man sich an sängerischer Bachinterpretation denken kann.”


Die französische Firma ERATO engagierte ihn für Schallplattenaufzeichnungen der Bach-Passionen, der h-moll-Messe und zahlreicher Kantaten. Diese sind kürzlich wieder als CD-Nachpressungen auf dem deutschen Markt erschienen.
Neben der ausgedehnten Konzerttätigkeit lehrte Franz Kelch 25 Jahre lang erfolgreich am Leopold-Mozart-Konservatorium Augsburg.
Nach Beendigung dieser Tätigkeit bildete er die Solisten für die Passionsspiele 1980 in Oberammergau aus.

Einer seiner Lebensgrundsätze findet sich in dem Lied "Zum Lobe der Musik", gedichtet und komponiert von Gabriel Voigtlaender (1580-1643):

“Musik lieb ich, so lang ich leb
Und fröhlich meine Stimm erheb
Und sing: 'O Musik, Himmelskunst,
Du bist wert aller Ehr und Gunst.'”


Der Lehrer
Während seiner 25-jährigen Lehrtätigkeit am Augsburger Leopold- Mozart- Konservatorium brachte Franz Kelch mit seinen Studenten 28 Kurzopern und Opernausschnitten verschiedener Stilrichtungen zur Aufführung.

Inszeniert wurden die Aufführungen von Karl Krollmann, die musikalische Leitung hatte Dr. Fritz Schnell. Die Aufführungen fanden jeweils im September statt. In dieser Zeit waren in der Städtische Oper keine Aufführungen. "Deshalb wurden unsere Aufführungen gerne vom Opernpublikum besucht. Wir hatten mindestens für 2 Aufführungen ein volles Haus und konnten die Unkosten bezahlen. Der Überschuß von meist 400.- DM musste an die Stadt abgegeben werden. Die Forderung von Direktor Piechler: “Kosten derfs Nix” war damit mehr als erfüllt." so Franz Kelch, der sich gerne an seine Augsburger Zeit erinnert.

Seine Werke
Die klangvolle Stimme des Bass-Bariton Franz Kelch ist war nicht nur live ein musikalisches Erlebnis, sondern wurde auch auf zahlreichen Schallplatten festgehalten. Die folgende Aufzählung mit Komponisten, Werken und den publizierenden Musikverlagen ist ein Auszug des umfangreichen Repertoire von Franz Kelch:

Cl. Monteverdi
L’incoronazione di Poppea
Concert Hall
Vespro della Beata Vergine
Vox
Canti guerrieri e amorosi
Discophiles Francais
Madrigale aus dem VIII. Buch
Discophiles Francais

D. Buxtehude
Ihr lieben Christen freuet ...
Ed. Costallat Paris

Gg. Fr. Händel
Julius Cäsar
Concert Hall

J.S. Bach
Johannes-Passion Christus
Archiv Produktion DG
VEB Dt. Schallplatten Berlin

Johannes-Passion Christus
ERATO (Paris)
Matthäus-Passion Christus
ERATO
Missa Brevis Nr. I in F-Major
Sanctus Nr. I in C-Major

Renaissance
Missa Brevis Nr. II in A-Major
Sanctus Nr. II in D-Major

Renaissance
Missa Brevis Nr. III. in G-Min.
Sanctus Nr. III in D-Min.

Renaissance
Missa Brevis Nr. IV in G-Major
Sanctus Nr. IV in G-Major

Renaissance

Kirchen-Kantaten:
ERATO
Nr. 6 Bleib bei uns, denn es will Abend werden
Nr. 65 Sie werden aus Saba alle kommen
Nr. 67 Halt im Gedächtnis Jesum Christ
Nr. 76 Die Himmel erzählen die Ehre Gottes
Nr. 78 Jesu, der du meine Seele
Nr. 80 Ein feste Burg ist unser Gott
Nr. 85 Ich bin ein guter Hirt
Nr. 87 Bisher habt ihr um nichts gebeten
Nr. 104 Du Hirte Israel, höre
Nr. 140 Wachet auf, ruft uns die Stimme
Nr. 147 Herz und Mund und Tat und Leben

Weltliche Kantaten:
Renaissance
Nr: 201 Der Streit zwischen Phoebus und Pan
Nr. 205 Der zufriedengestellte Äeolus

W. A. Mozart
Cosi fan tutte Don Alfonso
Period

J. Brahms
Liebesliederwalzer Op. 52
Oceanic
Neue Liebesliederwalzer O. 65
Oceanic
Zigeunerlieder Op. 103
Discophiles Francais

Die Familie
Wenn Franz Kelch einen Blick auf sein bisheriges Leben wirft, darf er nicht nur auf seine musikalischen Leistungen mit Stolz erfüllt sein. Der in Obermenzing lebende Künstler ist Vater von zehn Kindern und darf so seinen heutigen Ehrentag im Kreise einer wirklich großen Familie feiern.

Wir, die Redaktion des Online-Magazins für den Münchner Westen, gratulieren Franz Kelch herzlichst zu seinem 90. Geburtstag!
verantw. Redakteur/in: Antje Hertel
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